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Wasabi

Dinner with Murakami

December 4th, 2008

Heute abend wird im JDZB der Dokumentarfilm “Dinner with Murakami” gezeigt.
Auf der Webseite des Zentrums heißt es dazu: “Der Dokumentarfilm über Japans bekanntesten Gegenwartsautor Murakami Haruki gewann dieses Jahr den Publikumspreis “Bester Dokumentarfilm” beim Festival asian hot shots berlin. Der jungen chinesich-stämmigen Regisseurin Yan Ting Yuen gelingt es, Murakamis “Welt” in scheinbar zufällig gefilmten und dennoch poetisch strukturierten Bildern einzufangen.”
Klingt gut und der Eintritt ist auch frei!
Nix wie hin :)

Akutagawa Ryunosuke oder: nur nicht den Kopf verlieren!

August 7th, 2007

Das e-Journal Japan Focus, dessen Artikel eigentlich immer äußerst interessant und von bekannten Wissenschaftlern geschrieben sind, hat vor ein paar Tagen eine Kurzgeschichte von Akutagawa Ryunosuke in englischer Übersetzung von Jay Rubin veröffentlicht. Jay Rubin dürfte englischsprachigen Lesern japanischer Literatur des 20. Jahrhunderts durch seine Murakami Haruki Übersetzungen wohlvertraut sein. Letztes Jahr erschien ein Reprint von Akutagawas bekanntestem Buch, der Kurzgeschichtensammlung “Rashomon“, aus der auch die Vorlage für den großartigen Film gleichen Namens stammt, neu übersetzt von Jay Rubin und mit einem Vorwort versehen von - Murakami Haruki - um den Kreis wieder zu schließen. In diesem Band findet sich die “Story of a Head That Fell Off”, die nun bei Japan Focus nachzulesen ist.
Geschrieben 1917, aber von wohl immerwährender Aktualität handelt sie von menschlicher Schwäche und Dummheit, die zu großen und kleinen Kriegen führt, aber auch von Momenten der Einsicht. Aus diesen Hoffnung zu schöpfen wäre aber wohl leider naiv, denn wie heißt es in der Geschichte: “It is important–even necessary–for us to become acutely aware of the fact that we can’t trust ourselves. The only ones you can trust to some extent are people who really know that.”
Lesen dringend empfohlen und dann am besten gleich den ganzen Band (auch die deutsche Fassung ist sehr gut) zulegen. Meiner Meinung nach ein Kernstück jedes gutsortierten Bücherregals!

Stephan Valentins Weiße Eichen, oder: immer mal wieder was anderes

June 11th, 2007

Nun bin ich also in Japan, dem Land, dessen Literatur ich die letzten Jahre über so vollständig es die Übersetzungslage zulässt mit mal mehr, mal weniger vernehmlichen Schmatzen aufgesaugt habe und über was schreibe ich jetzt ausgerechnet: einen deutschen, in Paris lebenden Autor! Wie der Titel schon sagt: immer mal wieder was anderes, auch auf Wasabi. Ein kleiner literarischer Ausflug nach Europa kann nicht schaden, schließlich gibt es überall auf der interessante Entdeckungen zu machen. Zumal Stephan Valentin nicht nur Autor ist, sondern auch Schauspieler und Kinderpsychologe, ständig Reisender und hat auch schon in Armenkrankenhäusern an der Elfenbeinküste und in Bombay gearbeitet. So hat er sich ein Auge für menschliche Charakterzüge, Empfindungen und Probleme angeeignet, die wohl überall auf der Welt zu finden und nachzuvollziehen sind. Schon sein Debütroman “Der Ameisenfeind” fand großes Echo, trägt das UNICEF Emblem, da ein Teil des Preises jedes verkauften Exemplares Kindern in Not zu Gute kommt, wurde mehrfach übersetzt und soll mit Katja Riemann verfilmt werden.
Nun ist beim Pfefferkorn Verlag sein neuer Roman erschienen, Weiße Eichen, der auch wieder genau da ansetzt, wo die meisten Menschen aufhören ehrlich von sich selbst zu erzählen. Read the rest of this entry »

The Box Man

March 11th, 2007

Nachdem ich ja schon vor langem mal ausführlich über Abe Kobo geschrieben habe, möchte ich hier einen Kurzfilm empfehlen, der auf dem Roman The Box Man von eben diesem Autor basiert. Schöne Sache!

Natsume Sosekis Botchan, oder: ein Edoko in der Provinz

October 19th, 2006

Erst in den letzten Tagen kam ich endlich dazu den Klassiker “Botchan” (“Der Tor aus Tokio” auf Deutsch) zu lesen. Daraufhin kann ich sagen, die Beliebtheit dieses Romans wundert mich nicht. Die Geschichte des jungen aus Tokyo stammenden “Botchan” (eigentlich ist dies der Kosename, den sein Kindermädchen ihm gab), der recht leichtfertig und sprunghaft durchs Leben schlittert ist sehr amüsant. Mit viel Ironie und Humor werden Charaktere geschildert, auf die er trifft und mit denen er meist aneckt. Stadt- und Landmenschen werden hierbei gleichermaßen auf die Schippe genommen und die geschilderten Charakter, die sicher als typisch für ihre jeweiligen Herkunftsregionen in Japan gelten morgen, sind wohl doch überall in der Welt wieder zu entdecken. So ist der Roman von Natsume Soseki gleichzeitig sehr japanisch und doch universell.
Die Probleme eines echten “Edoko” einem “Kind Tokyos”, der direkt nach Beendigung seiner Ausbildung ohne sich viel dabei zu denken eine Lehrerstelle in einer Provinzschule animmt, sind mehr oder minder ernst, manchmal haarsträubend und meistens wirklich witzig. Der Autor selbst hat einige Zeit auf dem Lande unterrichtet, was sicherlich der sehr lebendigen Erzählung zu Gute gekommen ist. Diese wurde sehr gut von Joel Cohn 2005 neu ins Englische übertragen. Die deutsche Übersetzung ist älter, und meiner Meinung nach kommt schon der Titel “Der Tor aus Tokio” etwas unglücklich daher und trifft nicht ganz den Geist des Buches. Dann ist mir das Beibehalten des Originaltitels, wie im Englischen, mit einer Erklärung im Vorwort doch sehr viel lieber. Auf Englisch las sich der Roman jedenfall sehr flott und unterhaltsam, was auf den anderen humorvollen Roman “Ich der Kater” des selben Autors nicht immer so zutrifft. Dieser hat zwar auch in seiner Darstellung der verschrobenen alten Gelehrten aus der Sicht eines ebenso etwas schrulligen Katers viele amüsante Momente und gibt viel vom Japan der Meiji-Zeit wieder, doch birgt er auch einige Längen, durch die ich mich etwas durchbeißen musste. Das ist bei Botchan überhaupt nicht der Fall.
Botchan mag vielleicht sprachlich kein Meisterwerk sein, doch ist die Geschichte mit soviel Charme erzählt, dass der Rang eines Klassikers nicht zu hoch erscheint.

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Rattawut Lapcharoensap oder: Wen ich beim Literaturfestival eigentlich nicht verpassen wollte

September 11th, 2006

Vom 5. bis zum 16. September läuft hier in Berlin das Internationale Literaturfestival. Wie immer sind auch dieses Jahr wieder einige asiatische Autoren anwesend und lesen aus ihren Werken. Letzte Woche Donnerstag war Rattawut Lapcharoensap aus Thailand zu sehen. Wer sich genauso ärgert wie ich, ihn nicht gesehen zu haben, dem sei sein dieses Jahr auf deutsch erschienener Kurzgeschichtenband “Sightseeing” empfohlen.
Der junge Autor, der in den USA geboren, in Thailand aufgewachsen ist und in beiden Ländern studiert hat, schildert in seinen Kurzgeschichten kritisch und mit Humor Leben in Thailand. Hierbei hilft ihm sicher das offene Auge desjenigen, der sowohl von “innen” wie auch von “außen” auf Land und das Leben der Leute dort zu schauen gelernt hat. In vielen seiner Geschichten kommen so auch Charaktere vor, die selbst ausländischen Hintergrund haben und es mit ihren thailändischen Mitmenschen nicht immer leicht haben. Und auch die Touristen bekommen gleich in der ersten Kurzgeschichte “Farang” ihr Fett ab: “Du bietest ihnen Geschichte, Tempel, Pagoden, Fischcurry, Tapiokadessert, Seidenweber-Kooperativen, aber sie wollen bloß wie Wilde auf einem riesigen grauen Vieh herumreiten und auf Mädchen herumkeuchen, und in der Zwischenzeit halb tot am Strand liegen und Hautkrebs kriegen.” Doch immer zeigt Lapcharoensap auch die andere Seite, lässt den Protagonisten sich hoffnungslos in eine Touristin verlieben oder stellt Seiten des Landes weit abseits vom Urlaubsparadies dar.
Eindrucksvoll ist die Geschichte “Priscilla aus Kambodscha”, von einem selbstbewussten Flüchtlingsmädchen, das die Ersparnisse ihrer Familie im Mund trägt, in Form von Goldzähnen!
Sehr lesenswert, auch wenn man sich hinterher vielleicht noch mehr ärgert, dass man nicht bei der Lesung war…

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Watashi aus dem hartgekochten Wunderland

May 16th, 2006

Da in letzter und in nächster Zeit einige Romane von Murakami Haruki auf dem deutschen Büchermarkt neu und wieder erscheinen, ist der hierzulande berühmteste japanische Autor mal wieder groß im Gespräch. Es ist bekanntlich nicht das erste Mal, denn schließlich schaffte es Murakamis Roman “Gefährliche Geliebte” das Literarische Quartett zu sprengen und so nebenbei auch in die deutschen Bestsellerlisten zu gelangen. Da unter den wiedererschienenen auch mein Murakami-Favorit “Hard-boiled Wonderland und Das Ende der Welt” ist, hab ich mal einen kleinen Rundblick gewagt. Read the rest of this entry »

Pramoedya Ananta Toer

May 12th, 2006

Der wohl bekannteste indonesische Autor Pramoedya Ananta Toer ist am 30. April 2006 in Jakarta verstorben. Er wurde 81 Jahre alt. Zu den wichtigsten und meist übersetzten seiner Werke zählt die Tetralogie, die er auf der Gefängnisinsel Buru schrieb. Sie umfasst die Romane “Garten der Menschheit” (Bumi Manusia), “Kind aller Völker” (Anak Semua Bangsa), “Spur der Schritte” (Jejak Langkah) und “Haus aus Glas” (Rumah Kacah). Über seine 14 Jahre währende Haftzeit auf Buru berichtete er eindrucksvoll in “Stilles Lied eines Stummen” (Nyanyi sunyi seorang bisu). Unter Suharto waren von 1981 an Pramoedyas Bücher in Indonesien verboten und er verbrachte viele Jahre unter “Stadtarrest”, ohne dass ihm je ein Prozess gemacht gemacht wurde.
Einige Studenten, die heimlich Prams (wie er meist genannt wurde) Bücher in Yogyakarta verkauft hatten, landeten im Gefängnis, andere sollen sogar gefoltert worden sein, da sie ihn zu einem Gespräch in ihrer Uni in Jakarta eingeladen hatten.
Zu der Verleihung des philippinischen Magsaysay-Preises, der häufig als Asiens Nobelpreis bezeichnet wird, ließ ihn die indonesische Regierung 1995 nicht nach Manila reisen.
Allerdings war der im Ausland so hochgeschätzte Pramoedya, der auch für den Literaturnobelpreis im Gespräch war, unter indonesischen Schriftstellern und Intellektuellen umstritten. Gegen die Verleihung des Magsaysay-Preises schrieben diese eine Protesterklärung, in welcher sie ihm vorwarfen, zu Zeiten Präsident Sukarnos nicht-kommunistische Künstler verunglimpft und gar die Verbrennung ihrer Werke gutgeheißen zu haben.
Er selbst wehrte sich gegen diese Vorwürfe, indem er darauf bestand, er habe nur eine öffentliche Diskussion in Gang setzen wollen.
Unumstritten unter indonesischen und ausländischen Literaturkennern sind seine Leistungen auf literarischem Gebiet. Einen Überblick über diese, sowie Links zu Interviews, Artikel, Essays, Rezensionen von, mit und über Pramoedya Ananta Toer findet sich hier.
Auch lesenswert ist der Artikel in der New York Times zu seinem Tod.

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Ham wa nich! oder: Moderne Literatur aus Kambodscha

May 11th, 2006

In der Zeit findet sich ein interessanter Artikel über die zeitgenössische kambodschanische Literatur.
Beziehungsweise darüber, dass es diese kaum gibt, erst recht nicht in Übersetzung. Wie in vielen Ländern Südostasiens erscheint das meiste nur in kurzlebigen Groschenheftchen oder als Fortsetzungsroman in Zeitungen.
Ich weiß nur von einer Anthologie, die im Artikel auch erwähnt wird: “In the Shadow of Angkor: New Writing from Cambodia and Cambodian Americans”, zusammengestellt von den Amerikanern Frank Stewart und Sharon May.
Auch die Anthropologin und Kambodscha-Expertin Judy Ledgerwood schreibt in ihrer kleinen Abhandlung über kambodschanische Literatur hauptsächlich von klassischen Werken. Kein Wunder, sind doch circa 80% aller Bücher und Manuskripte zu Zeiten Pol Pots und der Khmer Rouge vernichtet und fast die gesamte gebildete Bevölkerung ermordet oder vertrieben worden. In der Zeit nach 1979 fehlte also nicht nur das Geld für Reprints und Neuerscheinungen, sondern auch schlichtweg die Menschen, die in der Lage waren Khmer zu lesen und zu schreiben.
Bleibt zu hoffen, dass sich heute, gut eine Generation später, wieder eine lesende Öffentlichkeit in Kambodscha entwickeln kann, die Schriftstellern eine Lebensgrundlage bietet. So dass Werke entstehen können, die es zu einer Übersetzung bringen…

Der empfohlene Artikel aus der Zeit ist übrigens der letzte Teil einer sehr lesenswerten Serie namens Khmer Route von Susanne Mayer, die in Phnom Penh Journalistik unterrichtet.

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Ayu Utami oder: wie man in Indonesien einen Skandal verursacht

February 11th, 2006

Dass der Roman “Saman” von Ayu Utami etwas Besonderes ist, lässt sich schon daran erkennen, dass er nach “nur” sieben Jahren seit seiner Erstveröffentlichung auf indonesisch, nun auch auf englisch erhältlich ist. Somit ist es eines der aktuellsten Werke südostasiatischer Literatur, das in englischer Übersetzung vorliegt.
Ein weiteres Indiz ist, dass “Saman” sich in Indonesien, einem Land das nicht gerade für hohe Buchverkaufszahlen bekannt ist, mehr als 100 000 mal verkauft hat.
Wie in vielen Ländern Südostasiens erscheint die meiste Literatur als von Fortsetzungsromanen in Zeitungen und Magazinen und wird herzlich wenig in Buchform verkauft.
Hinzu kommt, dass dieser Roman und seine Autorin in Indonesien sehr heiß diskutiert wurden und über die Landesgrenzen hinaus Interesse erweckte. So war Ayu Utami schon 2001 auf Lesereise in Deutschland und der Schweiz, sowie gleich zweimal hintereinander 2003 und 2004 beim Internationalen Literaturfestival in Berlin zu Gast.
Was ist also dran an diesem keine 200 Seiten umfassenden Buch und hat es diese ganze Aufmerksamkeit überhaupt verdient? Read the rest of this entry »