Tags: Japan, Literatur, Botchan, Asien, Natsume Soseki, japanische Literatur
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]]>Ein super Lacher ist die herrlich steife Buch-Vorstellung dieses Romans, die man bei MDR Figaro anhören kann. Hier heißt es, der Held des Romans habe den Namen Watashi. Lustig: irgendwie nennen sich verdammt viele Japaner so. Watashi ist nämlich eines der vielen japanischen Wörter für “ich”. So wirklich aufmerksam kann der Literaturkritiker Ulf Heise das Buch wohl nicht gelesen haben, sonst hätte er wahrscheinlich bemerkt, dass ganz einfach aus der Ich-Perspektive erzählt wird.
In meiner alten Suhrkamp-Taschenbuchausgabe erklärt einer der beiden Übersetzer, dass im Original der Held in den “Wunderland-Kapiteln” des zweigeteilten Romans sich (förmlich und höflich) als “Watakushi” bezeichnet, in den “Ende der Welt-Kapiteln” als “Boku” und sein Schatten als “Ore” (beides vertrauliche Formen, die nur von Männern verwendet werden). Also nüscht mit “Watashi”…
Da allerdings der Übersetzer mit der in der neuen DuMont-Ausgabe angewandten neuen Rechtschreibung nichts zu tun und seinen Namen nicht damit in Zusammenhang gebracht haben wollte (das interessanteste, was aus dieser Buch-Vorstellung zu erfahren war), ist dieses informative Nachwort höchstwahrscheinlich hier nicht mehr enthalten. Ich frag mich, wie er der Literaturkritiker auf die neutrale Ich-Form “Watashi” kam. Bei meinem nächsten Buchladenbesuch werde ich mal einen Blick in die neue DuMont-Ausgabe werfen. Vielleicht steht das da ja so drin? Wurde das etwa gleich mit der neuen Rechtschreibung da reingemogelt?
Auch schön fand ich, wie Herr Heise meinte, der Roman habe für ihn fast was mit Musik zu tun… vielleicht sollte dem Mann mal jemand sagen, dass der Professor für japanische Literatur Jay Rubin ein ganzes Buch geschrieben hat mit dem Titel “Haruki Murakami and the Music of Words”. Außerdem sind Songtitel und Schallplatten in Murakamis Romanen ungefähr genauso präsent wie eigentlich eklige Sandwichs, die einem trotzallem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen und russische Literaturklassiker.
Meine Zustimmung findet die Rezension in der Zeit mit der schönen Unterüberschrift “Warum »Hard-boiled Wonderland und Das Ende der Welt« Haruki Murakamis bester Roman ist” und auch der schon fünf Jahre auf dem Buckel habende Artikel in der De:Bug.
Auf jeden Fall ist in diesem Roman alles Murakami-typische in Bestform enthalten: der Held, der in die schrägsten Dinge hineingezogen wird ohne sich auch nur im Geringsten ernsthaft darüber zu wundern, geheimnisvolle Frauen, das Essen, die Musik, die Bücher, die geniale Balance zwischen Trash und Poesie.
Eigentlich bräuchte man keinen weiteren Murakami-Roman mehr lesen. Würde er einen nicht so wahnsinnig süchtig nach mehr Murakami machen! Am Besten gleich Norwegian Wood/Naokos Lächeln hinterher, oder doch lieber Kafka am Strand…
Tags: Murakami, hard-boiled wonderland, japanische Literatur, Japan, Literatur, asiatische Literatur
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]]>Der empfohlene Artikel aus der Zeit ist übrigens der letzte Teil einer sehr lesenswerten Serie namens Khmer Route von Susanne Mayer, die in Phnom Penh Journalistik unterrichtet.
Tags: Kambodscha, Cambodia, Khmer, asiatische Literatur
]]>Was wohl den lautesten Aufschrei hervorgerufen hat, erkennt die Sorte Leser am schnellsten, die die Gewohnheit hat zuerst die letzte Seite einer Geschichte zu lesen, um zu kucken ob es sich überhaupt lohnt alles zu lesen. “Saman” endet nämlich mit den Worten: “Rape me.” Unschwer zu erkennen schreibt Ayu Utami recht ausführlich und direkt über das tatsächlich und in der Phantasie stattfindende Liebesleben ihrer Protagonisten.
Das mag, erst recht aus der Feder einer jungen, attraktiven Frau (Ayu Utami soll wohl auch mal gemodelt haben) vielerorts ein Tabubruch sein, mich haut das allein nicht wirklich vom Hocker.
Pikanter wird es zwar dadurch, dass die Hauptperson Wisanggeni, bevor er wegen politischer Verfolgung untertaucht und den Namen Saman annimmt, katholischer Pfarrer ist, doch weiß er sich bis zur Niederlegung seines Amtes zusammenzureißen und geht erst später eine Beziehung mit der verheirateten Yasmin ein.
Zu erwähnen sei hierbei, dass Ayu Utami selbst der christlichen Minderheit im bevölkerungsreichsten islamischen Land der Welt angehört und sie eben auch über das Zusammenleben dieser beiden Religionen in Indonesien schreibt. Doch ist das meiner Meinung nach im Roman eher nebensächlich, auch wenn viele Buchkritiker nicht müde wurden, das besonders hervorzuheben.
Interessant finde ich vor allem Wisanggenis/Samans Geschichte. Die Passage über seine Kindheit in einem kleinen Ort auf Süd-Sumatra, in einem Haus mit Garten, der an den geheimnisvoll-faszinierenden und zugleich unheilbringenden Dschungel grenzt ist beeindruckend schön geschrieben und voller Spannung.
Zwischen Traum und Albtraum schwanken diese Kindheitserinnerungen, die an den Magischen Realismus, wie er zum Beispiel aus der Südamerikanischen Literatur etwa von Gabriel Garcia Marquez bekannt ist, erinnern. Albtraum vorallem, weil die jüngeren Geschwister Wisanggenis kurz vor oder nach der Geburt sterben, bzw auf mysteriöse Art aus dem Bauch der Mutter verschwinden. Nur Wisanggeni weiß, dass sie von einer dunklen Macht aus dem Dschungel, mit der die geheimnisvolle Mutter in Kontakt zu stehen scheint, geraubt wurden.
Als er zwanzig Jahre später in diesen Ort seiner Kindheit als Pfarrer zurückkehrt, trifft er auf ein eigenartiges im Dschungel verschwindendes Mädchen, in dem er erst seine von der bösen Macht besessene Schwester wiederzuerkennen glaubt. Doch von diesem Moment an bleibt der Roman bei den “harten realistischen Fakten” und es stellt sich heraus, dass sie die geistig behinderte Tochter einer Transmigranten-Familie ist, die in der Nähe Kautschukfelder bewirtschaftet. Fasziniert von dem Mädchen beschließt Wisanggeni den Bauern zu helfen und schafft es nicht nur die Lebensbedingungen des Mädchens, sondern auch ihrer Familie und deren Nachbarn zu verbessern. Doch schon bald kommt er ins Fadenkreuz großer Unternehmen, die das Land der Kautschukbauern ergattern und sie schamlos ausnutzen wollen. Das Unglück nimmt seinen Lauf, aber mehr soll hier nicht veraten werden…
In diesem Teil des Romans werden auf literarisch sehr gelungene Weise (so gut, dass manch einer sogar bezweifelte, dass “Saman” wirklich von der noch so jungen und bis dahin schriftstellerisch nicht in Erscheinung getretenen Ayu Utami verfasst wurde) brisante Themen des heutigen Indonesiens angesprochen. Noch nicht aufgearbeitete Probleme aus der beim ersten Erscheinen des Buches gerade zu Ende gegangenen Suharto-Ära genauso, wie gesellschaftliche Probleme früheren Ursprungs, wie z.B. der Rassismus gegenüber Indonesiern chinesischer Abstammung werden von der auch abseits von der Literatur politisch engagierten Autorin angeprangert.
Doch der Roman hat mehrere Hauptpersonen: erzählt wird auch von den vier Freundinnen, die Wisanggeni/Saman zur Flucht außer Landes verhelfen. Doch ihre Geschichten erschienen mir blasser und ihre Probleme teilweise etwas aufgesetzt, aber das mag Geschmackssache sein. Andere Rezensionen halten wiederum die männlichen Charaktere für einen Schwachpunkt des Romans.
In jedem Kapitel wird aus der Perspektive einer anderen Person erzählt und die letzten beiden Kapitel bestehen aus Briefen und Emails. Einen Auszug aus “Saman”, in dem eine der vier Freundinnen mit dem aus der klassischen indischen Literatur bekannten Namen Shakuntala zu Wort kommt, kann man hier lesen.
Hier wiederum ermöglicht ein, sogar ins Deutsche übersetztes Fragment einen Einblick in die neue, bisher komplett nur auf indonesisch und niederländisch erschienene Fortsetzung von “Saman” mit dem Titel “Larung” , des als Trilogie angedachten Werkes.
Ich bin gespannt auf mehr, auch wenn ich “Saman” nicht als rundum gelungenes Meisterwerk bezeichnen würde, so ist der Roman doch auf jeden Fall trotzdem noch sehr lesenswert.
Und der Skandal, für den Ayu Utami mit ihrem Werk gesorgt hat, zeigt dass viele angesprochene Probleme in Indonesien noch bei weitem nicht gelöst sind, sonst würde mit mehr Gelassenheit an Sexszenen und Phantasien sowie die aufgezeigten politischen und sozialen Ungerechtigkeiten reagiert werden.
Und was man davon zu halten hat, dass die, wohl deswegen sichtlich genervte Autorin auf ihrer Lesereise in Deutschland immer wieder nur die erotischen Abschnitte vorlesen sollte, sei mal dahingestellt…
Tags: ayu utami, indonesien, literatur, indonesia, asiatische literatur
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