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Wasabi

Literatur aus Laos oder: von Geisterkatzen, Palmblättern und Outhine Bounyavong

January 17th, 2006

Auf der Suche nach laotischer Literatur in englischer oder deutscher Sprache konnte ich bisher nur ein Buch ausfindig machen: “Mother´s Beloved - Stories from Laos” des im Jahr 2000 verstorbenen Schriftstellers Outhine Bounyavong.
Ich war also schon drauf und dran es mir von der StaBi zu leihen, die mich mit ihrem Sammelschwerpunkt Ost- und Südostasien immer wieder glücklich macht. Dann bin ich aber auf einen Link gestoßen, der mir den Weg zum Potsdamer Platz erspart und mich somit momentan noch glücklicher gemacht hat.
Es handelt sich um SEAsite Lao Literature.
Hier werden als Beispiel für die zeitgenössische laotische Literatur einige der Kurzgeschichten aus dem oben genannten Buch von Outhine Bounyavong auf Laotisch und Englisch präsentiert. Diese wurden mit einer Einführung in die Geschichte der Literatur des einzigen Binnenstaates Südostasiens versehen. Die Stories lesen sich leicht, scheinen direkt aus dem laotischen Leben gegriffen zu sein und sparen nicht an der Moral von der Geschicht´.

Auch sehr interessant sind die unter dem Punkt Khun Theuang zu sehenden Inschriften auf Palmblättern. Ich verstehe zwar kein Wort, aber die Schönheit der Schrift und die Wichtigkeit diese vergänglichen Dokumente zu bewahren sprechen für sich.
Ausführlich und reich bebildert ist unter Phralak PhraLam über Buddhas früheres Leben zu lesen.
Desweiteren kann man sich als besonderes Bonbon vier komplette Bilderbücher mit Märchen und Legenden aus Laos anschauen, deren Texte seitlich auf Englisch widergegeben werden.
Und wer mag kann sich zur Märchenstunde auch noch laotische Schlaflieder (und Opern etc) anhören, deren Texte ebenfalls nachzulesen sind.
Ob sie wirklich so schöne Träume bescheren sei mal dahingestellt, angesichts der Drohungen mit Geisterkatzen, die in die Wangen von schlafunwilligen Besungenen beißen und Hühnchen, die noch immer geöffnete Augen auspicken werden.
Auf jeden Fall eine Seite auf der man sich gut verweilen kann, zum Beispiel wenn man mal nicht einschlafen kann…

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Kunikida Doppo, oder: wie man es schafft für Flusswesen zum unvergesslichen Menschen zu werden

January 12th, 2006

Liest man eines meiner Lieblingsbücher Rashomon. Ausgewählte Erzählungen” von Akutagawa Ryunosuke aufmerksam, stößt man in der Phantasy-Erzählung “Kappa” auf den Namen Kunikida Doppo. Eine Büste des japanischen Schriftstellers dieses Namens wird hier neben den Büsten Nietzsches, Tolstois, Strindbergs und Wagners von dem Phantasievolk der Kappa als Heiligenbildnis verehrt. Grund genug diesen Schriftsteller etwas näher zu betrachten. Read the rest of this entry »

Thein Pe Myint, oder: Wie ein Moderner Mönch die burmesische Literatur revolutionierte

January 25th, 2005

Burma, Birma, Myanmar… wie heißt dieses Land denn nun eigentlich? Eine eindeutig richtige Antwort gibt es nicht, mit der Benutzung eines jeden Namens schlägt man sich in ein politisches Lager und keines davon ist unbedenklich. Burma war der Name des Landes zur Kolonialzeit, so verstanden die Engländer das Wort, das die dortige größte Bevölkerungsgruppe, die Bama, als Bezeichnung für sich und ihr Land angaben. Birma ist wohl die eingedeutschte Version des Wortes. Seit 1989 jedoch besteht das herrschende Militärregime auf den Namen Myanmar, der schon seit über 1000 Jahren gleichbedeutend mit dem Begriff Bama verwendet wird. Mit der Umbenennung sollte endgültig ein Strich unter die Kolonialzeit gezogen werden und ein neues Kapitel als selbständiges Land aufgeschlagen werden. Dieser neue/alte Name wird jedoch von vielen Kritikern, allen voran den USA und der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi aus Protest gegen die Militärregierung nicht benutzt.
Ich möchte weder Kolonialzeit, noch Militärregime gutheißen, will aber auch nicht immer sämtliche Namen nennen oder um den heißen Brei herumreden, darum benutze ich im Folgenden, auch aus Sympathie zu Aung San Suu Kyi, den Begriff Burma.
Wie schon am Namensstreit zu erkennen, ist Burmas Geschichte kompliziert, wechselhaft und interessant. Unschwer zu erraten, dass sich dies auch auf die Literatur des Landes niederschlägt.
Leider ist nicht viel übersetzt, aber hier und da finden sich zum Glück doch ein paar Werke wichtiger burmesischer Schriftsteller.
Einer, von dem man auch ohne Burmesischkenntnisse relativ viel lesen kann, ist der Politiker, Kommunist, Journalist und eben Schriftsteller Thein Pe Myint (auch: Dhein Pe Mjin oder Thein Pei Myint).
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Abe Kobo, oder: Wie man Albträume in Literatur verpackt

January 23rd, 2005

Den Ehrenplatz des ersten hier in diesem Blog besprochenen Schriftstellers erhält Abe Kobo. Diesen Platz hat er sich insofern verdient, weil er der japanische Schriftsteller ist, der es schafft, den Leser am meisten durch Geschichten, die von Realität ganz selbstverständlich in die surrealsten Albtraumwelten abgleiten, zu irritieren.
Gegen Abe wirkt der hierzulande seit dem Eklat beim Literarischen Quartett so populäre Murakami Haruki, was absurde Einfälle angeht, wie ein Waisenkind. Abe Kobo lässt seinem Protagonisten Kresse an den Beinen wachsen, oder ihn Meerjungfrauen in der Badewanne halten, sich ein fremdes Gesicht überstülpen um die eigene Frau zu verführen, oder friert ihn 800 000 Jahre lang ein - und all dies ohne sich dabei ihn die Drei-Groschen-Science-Fiction-Roman Ecke zu manövrieren.
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Wasabi, oder: Was zum Teufel hat Meerrettich mit Literatur zu tun?

January 22nd, 2005

Nach längerer Bedenkzeit hab ich mich nun also entschlossen, dieses Weblog auf den schönen Namen Wasabi zu taufen. Manch einer mag sich fragen, wie ich auf diese blöde Idee kam, da der Zusammenhang von höllisch-scharfem grünem japanischem Meerrettich und asiatischer Literatur nicht gerade ins Auge springt. Und doch gibt es eine Erklärung, die sich nicht nur auf den unbestrittenen Wohlklang des Wortes, oder nur auf meine Leidenschaft für Kulinarisches aus aller Welt beschränkt. Mir ist nämlich aufgefallen, dass man das Lesen eines japanischen Romans häufig mit dem Essen von Gerichten, die mit Wasabi gewürzt wurden vergleichen kann.
Zum Beispiel Sushi: im ersten Moment denkt man “Harmlos, fast ein bisschen fade”, dann berührt die Wasabi-Paste die Zunge, man hält irritiert inne, schnappt nach Luft und braucht einen Moment bis es weitergehen kann. Hat man das überstanden, kann man erst mit richtigem Vergnügen und Genuss zu Ende essen.
So geht es mir oft genug auch mit moderner japanischer Literatur: anfangs wirkt so manches Buch fast banal, es geht um ganz gewöhnliche Alltäglichkeiten und urplötzlich passiert etwas so Haarsträubendes, dass man erst einmal innehält und die Seite nochmal liest, um sich zu versichern, dass man auch alles richtig verstanden hat. Und dann geht der Spaß am Lesen erst richtig los.

Wem das zu weit hergeholt ist, der soll sich eine Packung Wasabi-Erbsen besorgen, meinem Lieblingsknabbersnack und im Banner dieses Blogs zu bewundern, und diese einfach beim Lesen meiner Artikel und der von mir empfohlenen Bücher und Links genießen. Das passt auf jeden Fall immer!